„Spotlight on Microbiology“ in Marburg

Doktoranden der Sonderforschungsbereiche 987 (Marburg) und 766 (Tübingen) organisierten gemeinsam ein internationales Symposium zur Mikrobiologie

Spüren Bakterien Hunger? Welche Mechanismen liegen der Entwicklung von Antibiotikaresistenzen zugrunde? Wie kann man Mikroorganismen gezielt verändern, um ihnen neue, nutzbringende Eigenschaften zu verleihen? Aber auch: Welche Qualitätskriterien sind beim Publizieren wissenschaftlicher Arbeiten in internationalen Journalen wichtig? Oder: Welche Betätigungsfelder stehen dem wissenschaftlichen Nachwuchs nach der Promotion offen? Mit diesen Fragen und vielen weiteren beschäftigten sich die etwa 130 Teilnehmer des „Spotlight on Microbiology“-Symposiums, das am 23.11.2017 in Marburg stattfand.

Diese Tagung hatten die Doktoranden der Sonderforschungsbereiche SFB 987 „Microbial Diversity in Environmental Signal Response“ (Marburg) und SFB 766 „The Bacterial Cell Envelope: Structure, Function and Infection Interface“ (Tübingen) organisiert. Mitbeteiligt an der Organisation waren auch die Doktorand/inn/en der „Marburg School of Microbiology“, eine gemeinsame Graduiertenschule des SFB 987 und SYNMIKRO (Marburg). Ganz in diesem Sinne eröffneten das Symposium dann auch Promotionsstudierende aus Tübingen und Marburg im Hörsaal des Marburger Max-Planck-Instituts für terrestrische Mikrobiologie.

Im ersten wissenschaftlichen Vortrag sprach Marianha G. Pinho (Universität Lissabon) über die räumliche und zeitliche Organisation der Zellwandsynthese von Staphylococcus aureus und wie diese die Form des Bakteriums beeinflusst. Ihr folgte der Vortrag von Isabelle Broutin (Universität Paris) über bakterielle Effluxpumpen. Die Aufklärung von deren dreidimensionaler Struktur liefert wertvolle Hinweise für das Verständnis der Resistenzentwicklung von Bakterien gegenüber Antibiotika. Vasili Hauryliuk (Universität Umea) sprach über die Verschaltung von bakterieller Stressantwort und RNA. Auch Bertrand Beckert von der Universität Hamburg beschäftigte sich mit der bakteriellen Adaptation an Stresssituationen und zeigte, wie Ribosomen unter Stressbedingungen, zum Beispiel Nährstoffmangel, stillgelegt werden können und damit dem Mikroorganismus wertvolle Ressourcen einsparen. Mathias Grün von der Firma Jena Bioscience stellte die Frage, was Nachwuchswissenschaftler/innen in „der Industrie“ erwartet. Die Antwort: Es gibt nicht „die Industrie“, sondern mannigfaltige Betätigungsfelder. Man müsse aber wissen, was man wolle und immer einen Plan B haben, so Grün. Einer der sehr vielfältigen Erfahrungen von Herrn Grün im akademischen und industriellen Umfeld: There is no free lunch! Engagiert euch! Die Vorträge von Sven Panke (ETH Zürich) und Michael Bott (Forschungszentrum Jülich) standen ganz im Zeichen des Metabolic Engineerings von Bakterien. Die Forscher diskutierten, wie Enzyme gezielt verändert werden können, um sie für die biotechnologische Anwendung nutzbar zu machen oder ihre Effizienz zu erhöhen. Martin Pilhofer (ETH Zürich) und Amelia-Elena Rotaru (Universität Southern Denmark) berichteten über die Interaktion zwischen Mikroorganismen verschiedener Spezies. Der Vortrag von Ieva Gailite, Editorin beim EMBO Journal, rundete das Programm ab: Sie referierte über die Anforderungen an Publikationen in wissenschaftlichen Journalen. Mit einer zweistündigen Postersession bei kleinen Snacks klang das Symposium aus. Die Doktorand/inn/en beider Sonderforschungsbereiche hatten etwa 40 Poster im Foyer des Max-Planck-Instituts ausgehängt, an denen sich die Teilnehmer des Symposiums in entspannter Atmosphäre rege austauschten. 

Die Sprecher der beiden SFBs, Erhard Bremer und Wolfgang Wohlleben, zeigten sich denn auch in ihren sehr lobenden Abschlussworten begeistert über die Organisation des Symposiums durch die Doktoranden/inn/en, die Vielzahl an hervorragenden Vorträgen und die Möglichkeiten zum wissenschaftlichen Austausch. Herr Wohlleben kündigte an, dass 2018 die Spotlight-Tagung in Tübingen unter der organisatorischen Ägide des SFB 766 stattfinden wird. 

Das Organisationskomitee aus Marburg und Tübingen bedankt sich bei allen Sprecher/inne/n und Teilnehmer/inne/n des Symposiums sowie bei allen Mitwirkenden für die tatkräftige Unterstützung, insbesondere bei den Mitarbeiter/inne/n aus den SFB-Geschäftsstellen.

Vera Bettenworth (Marburg) - Eva Bok (Tübingen) - Wieland Steinchen (Marburg)