„How microorganisms view their world“ Tagung in Marburg

Ein Bericht aus dem BIOspektrum zu dem Thema "Wie Mikroben die Welt sehen"

BIOspektrum | 01.19 | 25. Jahrgang

Eine fundamentale Voraussetzung für den evolutionären Erfolg und die Diversität von Mikroorganismen ist ihr ungeheures Adaptationspotenzial. Neben biochemischen, physiologischen und zellulären Strategien ist hier vor allem die Fähigkeit, sich genetisch schnell und präzise an stetige Veränderungen im jeweiligen Habitat anzupassen, eine fundamentale Voraussetzung für das Überleben der mikrobiellen Zelle in einer Umwelt, deren einzige Konstante der stete Wechsel ist. Den dieser Anpassungsfähigkeit zugrundeliegenden molekularen Mechanismen der Regulation und Signaltransduktion war die hochkarätig besetzte internationale Konferenz „How microorganisms view their world“ gewidmet, die im September 2018 im schönen Marburg stattfand. Hierbei bot das Wetter mit dem Wechsel von sintflutartigen Regenfällen am ersten Tag bis zu strahlendem Sonnenschein im weiteren Verlauf der Konferenz einen passenden Rahmen, um das Kernthema der Konferenz „die einzige Konstante ist die Veränderung“ zu illustrieren. Eingeladen hatten zu dieser Tagung Anke Becker und Erhard Bremer (beide Marburg) sowie Thorsten Mascher (Dresden). Die Konferenz resultierte aus der engen Zusammenarbeit zweier Forschungsinitiativen, des DFGfinanzierten SFB 987 und des durch das BMBF geförderten ECFexpress-Konsortiums. Der Marburger SFB 987 fokussiert sich auf die Rolle mikrobieller Diversität in der Verarbeitung von Umweltsignalen, während sich das ECFexpress-Konsortium im Rahmen des transnationalen ERAnets zur Synthetischen Biologie (ERASynBio) mit der Applikation und den Designprinzipien alternativer Sigmafaktoren, der Extracytoplasmic function (ECF)- Familie, befasst. Die ECF-Transkriptionsfaktoren feierten 2018 das 25-jährige Jubiläum ihrer Entdeckung, und ihren vielfältigen Funktionen widmete sich ein wichtiger Teil der Konferenz. Dass sich hierfür als Gast auch der ECF-Erstentdecker, Michael Lonetto (seit 20 Jahren nicht mehr in der Mikrobiologie tätig) angemeldet hatte, zeugt von der wissenschaftlichen Bedeutung dieser Veranstaltung. Eine entsprechende Sonderausgabe der Zeitschrift Molecular Microbiology im Sommer 2019 wird sich dieses Jubiläums und dem auf der Tagung präsentierten heutigen Stand des Feldes widmen. Was bleibt, ist die Erinnerung an spannende und hochaktuelle Forschungsergebnisse, die durch das erstklassige Sprecherfeld, aber auch auf über 70 Postern den gut 200 Teilnehmenden geboten wurde. Hierbei wurde im Verlauf der Konferenz der ganze große Bogen gespannt: von Erstbeschreibungen gänzlich neuartiger Signalwege, wie der phosphorylierungsabhängigen Aktivierung von Sigmafaktoren, die von der Nachwuchsgruppe von Simon Ringsgaard aufgeklärt wurde, hin zu einem beeindruckenden Plenarvortrag von Regine Kahmann (beide MPI Marburg), in dem sie einen Rückblick auf ihr wissenschaftliche Lebenswerk mit dem Maisbeulenbrandpilz Ustilago mayidis bot, war wirklich für jeden etwas dabei. Viele intensive Diskussion im Verlauf der Tagung belegten einmal mehr, dass das Thema der mikrobiellen Signaltransduktion immer noch hochaktuell ist und neue Forschungsansätze immer wieder überraschende Einblicke und Erkenntnisse in die Vielfalt mikrobieller Regulationsnetzwerke liefern. Ihren launigen Abschluss fand die Tagung mit einem Festessen auf dem Marburger Schloss, in dessen Verlauf sich nochmal reichlich Gelegenheit zum wissenschaftlichen Austausch bot. Unvergessen für diesen letzten Abend ist auch der Anblick des aufgehenden Vollmonds über den Dächern Marburgs beim Fußmarsch hinauf zum Schloss: die perfekte Erinnerung an eine tolle Tagung!
 
 

Anke Becker,

Erhard Bremer,

Thorsten Mascher

 

Qualle: BIOspektrum | 01.19 | 25. Jahrgang